#13378
Ursa Braun
Teilnehmer

Ihr lieben Mitpilger und Mittänzer auf unserer Held*innenreise,

Die Helden- und Heldinnenreise wurde entwickelt nach dem Muster der Initiations- und Transformationsriten sowie der Visionssuchen, wie sie die indigenen Völker – und auch unsere frühen Vorfahren – seit jeher praktiziert haben, wie sie in unserer modernen Welt allerdings fast vergessen waren. Ihre innere Dynamik entspricht den Phasen menschlicher Reifung, wie sie uns die Märchen oft noch erzählen, wie sie die großen spirituellen Traditionen überliefern und wie ich sie in persönlichen Krisen erlebt und in meiner Ausbildung zur (Gestalt-)Therapeutin als Schritte zur Selbstwerdung kennengelernt habe. Auch die Ausschreibung zur Held*innenreise war ja nicht einfach eine für ein biodanza-Seminar, wie es die meisten von Euch kennen. Die Themen der Wochenenden beschreiben die Phasen auf dieser transformativen Reise.

An unserem ersten Wochenende haben wir einen Anfang gesetzt und in der Geschichte vom Mäuserich vielleicht unsere eigene Sehnsucht wieder erkannt, dass das, was wir bisher gelebt haben, noch nicht alles sein kann, oder dass es irgendwie nicht mehr stimmt, nicht mehr trägt. Mehr oder weniger intensiv war auch in uns die Bereitschaft, das bekannte Land und das gewohnte Tun zurück zu lassen und uns ins Ungewisse zu wagen.
Diesen Schritt haben wir alle mit dem ersten Seminar gemacht. Und das Thema des zweiten Seminars, das jetzt ansteht, benennt, wie es weiter geht: Abseits des Gewohnten braucht es Mut und die Bereitschaft, sich auf Neues einzulassen – in unerwarteten oft hilfreichen Begegnungen und in ungeahnten Herausforderungen. Der Held und die Heldin sind auf sich selbst gestellt; im Loslassen dessen, was bisher getragen hat, können sie offen und frei werden, lernen zu sehen, zu fühlen und zu tun, was sich im gegenwärtigen Augenblick zeigt und können so neue Talente in sich entdecken und entwickeln. Es steht an, einem Weg zu vertrauen, dessen Ziel wir noch nicht sehen und wissen, das wir uns vielleicht nicht einmal vorstellen können.
Solch ein sich Einlassen auf das noch Ungestaltete kommt uns manchmal vor wie ein Fallen ins Bodenlose, ins Nichts. In unserer nach Vorhersehbarkeit, Machbarkeit und (vermeintlicher) Sicherheit strebenden Gesellschaft kennen wir das kaum oder gar nicht. Das macht uns Angst. Und doch haben wir alle schon mindestens einen solchen Prozess durchlaufen: unsere Geburt. Und für viele war auch die Pubertät solch ein Transformationsprozess, für die einen sehr bewusst, in Widerstand und Abgrenzung gegen das Bekannte, das aber nicht mehr „ihres“ war, für andere vielleicht eher ruhig und allmählich. Aber dabei ist etwas in uns entstanden, was wir vorher nicht kannten: ein erwachsener, , körperlich und im besten Falle auch seelisch gereifter, (selbst-)verantwortlicher Mensch! Und ich wünsche uns allen, die wir diese Held*innenreise fortsetzen wollen, dass wir uns von äußeren oder inneren Widerständen nicht abbringen lassen von unserem einmal begonnenen Weg. Denn im Fühlen all dessen, was da an Widerständen und Ängsten in uns ist, im „Kampf mit dem (inneren) Drachen“ (3.WE) und letztlich in der Hingabe und im Vertrauen auf das, was größer ist als wir, geschieht das Geheimnis der Wandlung; , so finden wir den „Schatz, den wir dann nach Hause bringen“ und in einen lebensdienlicheren Alltag integrieren können (4.WE).

Am letzten Wochenende vor dem Shutdown war ich zu einer Werkstatt-Tagung bei Ursula und David Seghezzi, nach deren Ansatz „transformation in natura“ ich die Begleitung in und mit der Natur gelernt habe. Wir haben dort überlegt, wie wir das Wissen um die Dynamik und die Phasen von Transformationsprozessen verbreiten könnten und nutzbar machen können für den Wandel in Welt und Gesellschaft, zu dem uns die Klimakrise herausfordert. Wir waren traurig und wütend über all die Zerstörung der Natur, die wir Menschen anrichten und darüber, dass keine Regierung bereit und in der Lage war, dem Einhalt zu gebieten durch effektive Maßnahmen, die der kankhaften Gier nach immer mehr, immer größer, … ein Stop geben.. Und 8 Tage später hat die Angst vor der unkontrollierten Ausbreitung des Corona-Virus so viele Maßnahmen möglich gemacht, die vorher niemand für zumutbar hielt! In dieser Zeit des Stillstandes auf so vielen Ebenen, des Atemholens für die Natur und des sich-Besinnens bei vielen Menschen auf das, was wir wirklich brauchen und was uns wirklich wichtig ist, stehen wir jetzt auch als Kollektiv mitten in einer Heldenreise, an dem Punkt, wo vieles Gewohnte nicht mehr da ist, (finanzielle und emotionale) Sicherheiten wegbrechen und wir nicht wissen,wie lange das dauert und was es noch nach sich ziehen und von uns fordern wird. Niemand weiß derzeit, wo wir im nächsten Jahr stehen werden. und ob wir diese Krise als Chance auf Wandlung und Gesundung unserer kranken Gesellschaft nutzen können und neue Schritte gehen, oder pb wir vor lauter Angst möglichst schnell wieder in das Gewohnte zurück flüchten.
All das beeinflusst nun unsere begonnene Reise und wird sie auf völlig unerwartete Weise einmalig, herausfordernd und spannend machen.

Diese Synchronizität unserer Prozesse als Weggefährten auf Held*innenreise und der ganzen Menschheitsfamilie auf unserer Erde finde ich faszinierend. Die Reise jetzt zu unterbrechen, sie zu verschieben kann ich mir nicht vorstellen. Ich würde gerne so weitergehen, wie es derzeit möglich ist. Es scheint mir sogar wunderbar gefügt, hier im Kleinen durchzumachen, was im Großen ansteht und auf der eigenen Reise (hoffentlich) Mut zu schöpfen, auch großen Veränderungen mutig entgegen zu sehen. Was für ein wunderbares Übungsfeld!
Aber natürlich verstehe ich auch, dass viele in den großen Ungewissheiten und möglichen Umbrüchen wenigstens im Kleinen, im persönlichen Umfeld Sicherheit und Schutz finden

möchten. Das ist völlig legitim und da darf jede und jeder für sich entscheiden, was geht.
Ich habe gelernt, dass nicht alles, was mir Sicherheit gibt, mir von Außen gegenben werden muss bzw. kann Und ich erlebe es als stärkend und nährend, mich eingebettet zu <i>wissen</i> in eine Gruppe, mich einzu<i>fühlen</i> ins Miteinander. Das erlebe ich derzeit bei den virtuellen Biodanza-Impulsen, aber auch durch gemeinsame Meditations- oder Singzeiten, in denen ich mich mit Freundinnen und Weggefährten verbinde.

Euch, Barbara und Erhard, die ihr ja auch durch Corona auch auf eine Heldenreise geschickt und in einem radikalen Prozess des Umdenkens und Umplanens geworfen seid, hier ein ganz großes Danke für Eure Offenheit und Bereitschaft, mit dem zu gehen was ist. Und ein ebenso großes Danke für Euer Spüren und Hören im jetzigen Entscheidungsprozess, damit sich möglichst niemand auf dem Weg herausgekickt und verloren fühlt. Da erlebe ich bei Euch in Hingabebereitschaft und Dienst am Leben die Tugenden, die vor dem transformativen „Schlaf“ stehen, wo dann „wie von selbst“ das Neue wächst.

Euch/uns allen wünsche ich allen viel Mut, Engagement und aufbauende, freudvolle Erlebnisse auf der weiteren persönlichen Held*innenreise, wie immer sie sich gestalten wird.
Und wo ich in einem persönlichen Gespräch unterstützen kann, da bin ich ebenso wie Barbara und Erhard gerne dazu bereit. Scheut Euch nicht, Euch zu melden.

 

Herzensgrüße von Eurer „Ältesten“ Ursa

Wer sich eingehender informieren möchte über die Dynamik von Transformationsprozessen, der findet von Ursula und David Seghezzi mehrere kurze Videos und einen längeren Artikel über „Corona als Transformationschance“ auf deren website: http://www.umainstitut.net/blog/ bzw. unter …/Veröffentlichungen/